Anforderungen an die Mädchenarbeit

Anlass und Legitimation einer parteilichen Mädchenarbeit ist die gesellschaftliche, geschlechtsorientierte Benachteiligung von Mädchen und Frauen. Die Erkenntnis, dass weibliches Verhalten weder Schwäche noch Defizit ist, bildet für Mädchen und Frauen die Grundlage für die Entwicklung von Selbstbewusstsein, Selbstvertrauen und Selbstwertschätzung.

Unverzichtbare Prinzipien der parteilichen Mädchenarbeit:

  • Stärken und Schwächen von Mädchen und Jungen unabhängig vom Geschlecht betrachten.
  • Weibliche Eigenschaften und Kompetenzen aufwerten, bzw. neu bewerten.
  • Arbeit mit Mädchen sowohl im geschlechtshomogenen als auch im koedukativen Rahmen verwirklichen.

Mädchenarbeit heißt auch immer Mädchenpolitik
Dies bedeutet, in mädchenpolitischen Forderungen und Begründungen auf Rollenklischees zu verzichten und weder vom „armen, benachteiligten Mädchen“ (Opferklischee) noch vom „starken Mädchen, das gar keine Probleme hat oder für jedes eine Lösung findet“ (Klischee der neuen Mädchenbilder) zu sprechen. Mädchenarbeit hat eine gesellschaftsverändernde Dimension, solange mit bestehenden Strukturen aufgeräumt werden muss, die auf Rollenklischees beharren und Mädchen tradierte Lebenswege zuweisen anstatt sie zu ermutigen ihre eigenen Lebensentwürfe zu verfolgen.

Mädchenarbeit findet überall statt
Pädagogische Arbeit mit und für Mädchen ist ein fester Bestandteil jeder Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen – sowohl in geschlechtshomogenen Gruppen und Räumen als auch unter koedukativen Rahmenbedingungen. Im geschlechtshomogenen Rahmen wollen Mädchen selbstbestimmte Aktivitäten ausüben, sich mit widersprüchlichen Erwartungen auseinander setzen, offen über Freuden und Ängste reden und Spaß und Entspannung erleben. Aus den Erfahrungen dort entwickeln Mädchen den notwendigen Mut und das Engagement, um in der Offenen-Tür-Arbeit gemischtgeschlechtliche Angebote nicht nur wahrnehmen, sondern diese auch für sich selbst nutzen und eigene kognitive, sozial emotionale und aktionale Interessen einbringen zu können. Interessen von Mädchen finden dann im koedukativen Rahmen eine gleichwertige Beachtung. Für beide Felder muss gelten, dass sie im Sinne der partizipatorischen Grundidee Gestaltungs- und Nutzungsvielfalt anstelle von stereotyper Festschreibung bieten.

Stand der Mädchenarbeit zu Beginn des neuen Jahrtausends
Es wird immer wichtiger, Mädchen in ihrer eigenen Rollenfindung zu unterstützen, so unterschiedlich diese Rollen auch sein mögen. Erwachsenwerden braucht reale und imaginäre Bilder. Die existierenden Bilder, die von den Mädchen als Orientierung angesehen werden, sind auch von den Pädagoginnen ernst zu nehmen. Wer den Mädchen Wertschätzung entgegen bringt, kann sie in ihren eigenen Definitionsprozessen begleiten und ihnen Orientierungen anbieten. Pädagoginnen, die real und erfahrbar, vorbehaltlos, positioniert und glaubwürdig sind, werden als verlässliche Ansprechpartnerinnen angenommen.

Parteiliche Arbeit für Mädchen heißt:

  • Ihre Rechte vertreten – auch gegenüber Kollegen und Jungen.
  • Ihren Bedürfnisse und Interessen im geschlechtshomogenen und koedukativen Rahmen berücksichtigen.
  • Ihnen Unterstützung bieten, aber auch Grenzen setzen.
  • Ihnen Werte und Orientierungen vorleben.
  • Ihnen ein Miteinander in Gleichwertigkeit und Gleichberechtigung vermitteln.

Erweiterung der Anforderungen an Mädchenarbeit
Mädchenarbeit muss ihre Konzepte der Ausdifferenzierung
weiblicher Lebenslagen anpassen:

  • Welche Mädchen sind in welchen Bereichen wie benachteiligt?
  • Wo gibt es konkrete und verdeckte Barrieren für Mädchen?
  • Welche Mädchen haben mit welchen Problemen zu kämpfen?
  • Wem stehen alle Türen offen?

Nicht nur für die Mitarbeiterinnen des MAK ist Mädchenarbeit auch zukünftig aktuell und notwendig. So beschreibt Frau Dr. Claudia Wallner in ihrem Artikel „Feministisch – parteilich – gemeinsam“, dass Mädchenarbeit weiterhin notwendig ist, sich aber auch weiter entwickeln muss. „Mädchenarbeit muss sich ihrer selbst klar sein, um mit Jungenarbeit kooperieren zu können, ohne zu zerfließen oder in einem großen „Gendersumpf“ aufzugehen.“

Neue Konzepte wie „Gender Mainstreaming“ und „Crosswork-Arbeit“ dürfen Mädchenarbeit nicht in Frage stellen, sondern können im Sinne der unverzichtbaren Prinzipien der Mädchenarbeit ergänzend wirken. Mädchenarbeit muss eine eigene Position in und zu Gender entwickeln.